Montag, 19. März 2018

Arusha, heiße Quellen und sonstige Erlebnisse :)

In den letzten Tagen ist wieder einiges passiert...
Vor ein paar Tagen sind wir von der Busstation zu Fuß weitergelaufen und am Straßenrand saßen drei Kinder. Als sie uns sahen, kam das eine Mädchen direkt freudestrahlend auf uns zugerannt und sprang uns in die Arme. Wir gingen dann zu den anderen beiden Kindern und alle drei wollten uns unbedingt in den Arm nehmen. Sie freuten sich total, als wir mit ihnen dann ein Foto machen wollten. Wir haben uns dann verabschiedet und sind weitergelaufen. Nach ein paar Metern bemerkten wir, dass sie uns hinterherliefen und so nahmen wir sie an die Hand und gingen noch ein Stück zusammen. Normalerweise haben wir immer ein paar Lollies in der Tasche, da sich die Kinder darüber immer riesig freuen. Ausgerechnet an dem Tag hatten wir aber keine eingesteckt. Wir gaben den drei Kindern stattdessen dann jedem eine Münze und sagten, dass sie sich davon etwas Süßes kaufen sollen. Umgerechnet waren es pro Kind keine 10 Cent, aber die Freude, die wir damit auslösten, war riesengroß. Die Kinder sprangen richtig rum um nahmen uns noch mehrfach in den Arm. Wahrscheinlich konnten sie sich mit dem Geld zum ersten Mal in ihrem Leben selber etwas kaufen - für uns mal wieder unvorstellbar...




Auf dem Rückweg dachten wir uns dann, dass es mittlerweile auf den "Piki-Pikis" irgendwie zu langweilig geworden ist 🙈 Und da die Tansanier hier teilweise zu viert auf dem Motorroller den Berg hoch fahren, haben wir uns das erste Mal eins geteilt und sind nicht wie sonst jeder auf einem gefahren. Wir hatten die ganze Fahrt über einen Lachkrampf und auch die Leute am Wegesrand fanden den Anblick von zwei "Muzungus" auf einem "Piki-Piki" anscheinend sehr außergewöhnlich und amüsant 😅 Je nach Laune und wie viel Einkauf wir dabei haben, wechseln wir nun immer zwischen einem und zwei "Piki-Pikis"...




Nachdem wir ja leider immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass die Preise für uns mindestens verdoppelt, teilweise sogar vervierfacht werden, haben wir endlich einen Imbiss gefunden, in dem wir den normalen Preis zahlen und das Personal auch noch gut Englisch spricht. Zudem läuft immer tolle Musik und es kommt ein wenig Urlaubsfeeling auf, wenn wir dort ab und zu sitzen und das typische tansanische "Chipsy Mayaj" (Pommes mit Ei) essen.


                                                                                                                Sogar eine "Bar" ist vorhanden...


Nachdem unser letzter Marktbesuch in Tengeru ja eher nach hinten losging, haben wir uns in Usa River nochmal auf einen kleineren Markt begeben und waren tatsächlich sehr positiv überrascht. Natürlich wollten uns auch dort die Leute unbedingt etwas verkaufen, waren jedoch nicht so aufdringlich und viel freundlicher als in Tengeru. Wir wurden auch nicht so extrem angestarrt und angefasst, so dass wir uns einfach viel wohler fühlten und dann auch etwas gekauft haben.




Am Samstag sind wir dann das erste Mal nach Arusha gefahren. Die Fahrt mit dem "Dala-Dala" dauerte etwa eine Stunde. Zunächst sind wir zu dem Safari-Anbieter gefahren, mit dem wir nächste Woche eine zweitägige Safari in den Tarangire- und Ngorongoro Nationalpark machen werden. Danach haben wir uns dann ins Getümmel begeben. Da wir uns bereits darauf eingestellt hatten, dass wir sicherlich wieder von allen angesprochen und zum Kaufen aufgefordert werden, war das für uns dann auch keine Überraschung mehr. Ein Stand reiht sich an den nächsten und ähnlich wie in der Türkei hängen dort vor allem zig gefälschte Markenklamotten, die natürlich alle mit "Original, original!"  angepriesen werden. Zudem kann man überall frisches Obst und Gemüse kaufen. Es war auf jeden Fall sehr interessant, durch die ganzen Gassen und Verkaufsstände zu gehen und wir werden definitiv nochmal nach Arusha fahren. Als wir dann jedoch wieder im "Dala-Dala" saßen, um zurück zufahren, kam dann doch noch ein unschönes Erlebnis dazu. Wir saßen vorne beim Fahrer bei offenem Fenster und warteten noch auf weitere Fahrgäste. Plötzlich kniff mich ein wildfremder Mann richtig stark in den Arm... Ich war total perplex und schlug ihm seine Hand weg und forderte ihn auf, mich nicht anzufassen. Daraufhin grinste er nur dämlich und packte wieder meinen Arm an. Ich hab seine Hand dann noch stärker weggeschlagen und ihn richtig angebrüllt. Es standen noch andere Männer drumherum, die nur lachten und nicht einschritten. Der Typ sagte dann irgendetwas wie "Fuck you System" auf seinem versuchten Englisch und grinste wieder richtig ekelig. Zum Glück machte der Fahrer dann endlich das Fester zu... Ich fühlte mich in der Situation echt total bedrängt und hatte auch Angst, was als nächstes kommt. Am Liebsten hätte ich ihm eine geknallt, aber was hätte er dann gemacht? Wir müssen echt sagen, dass uns teilweise sehr wenig Respekt entgegengebracht wird und wir sind dann immer total froh, dass wir wenigstens zu zweit sind...









Gestern haben wir dann noch einen Ausflug zu den "Hot Springs" in der Nähe von Moshi gemacht. In einer Facebook-Gruppe hatten wir gelesen, dass eine andere Volontärin dorthin fährt und im Auto noch Plätze frei wären. Die Volontärin ist Tierärztin aus Dänemark und unterstützt hier aktuell ein Projekt für Tiere. Zusammen mit einem Tansanier und dem Fahrer fuhren wir eine gute Stunde über Schotter. Irgendwo im Nirgendwo war dann ein kleiner Parkplatz und dahinter die Quellen. Wunderschön, wie im Paradies... Türkisblaues, warmes Wasser und ganz außergewöhnliche Bäume wie im Dschungel. Wir haben das Baden in dem Wasser total genossen, da es, seitdem wir hier sind, definitiv das sauberste Wasser war, mit dem wir in Berührung kamen 🙈



Auf dem Weg zu den Quellen



  

Wir hatten natürlich auch wieder total viel Spaß und tolle Erlebnisse mit den Kindern. Vor allem ist es total schön zu sehen, wie viel Vertrauen sie mittlerweile zu uns haben, mit uns kuscheln wollen und unsere Zuneigung suchen - besonders bei den älteren Kindern war das am Anfang gar nicht der Fall... 
Die Kinder bringen uns wirklich immer zum Lachen und strahlen so viel Freude aus!














Hier geht nochmal ein großes Danke an meinen besten Freund Marc, der für die Kinder extra zwei neue Fußbälle gekauft und uns mitgegeben hat!!! 😘


Am Samstag ist dann noch auf Tag24 ein Artikel über uns erschienen. Ein Bekannter aus alten Schulzeiten, der mittlerweile für Tag24 als Onlinereporter tätig ist, hatte uns kontaktiert und ein Interview mit uns geführt. Hier ist der Link zu dem Artikel, für die, die es interessiert :) Danke, Chris Heidemann, für den tollen Bericht! 




Wir starten nun in unsere letzte Woche, bevor wir erstmal zwei Wochen Osterferien haben (die Kinder sind in der Zeit in ihren Herkunftsfamilien).


Bis dahin,
Jacky

P.S.: Entschuldigt bitte die unterschiedlichen Schriftgrößen - aus irgendeinem Grund möchte der Laptop heute nicht so wie ich will :/






Sonntag, 11. März 2018

Besuch beim Arzt und auf dem Markt

Letzten Montag habe ich dann eine tansanische Arztpraxis kennengelernt 🙈 Ich habe anscheinend eine Art "Sonnenallergie" entwickelt und nachdem die Betreuerinnen meinen Hautausschlag gesehen hatten, haben sie mich direkt zum Arzt geschickt... In einer offenen Halle mit Wartebänken saßen bereits einige Leute, um von einem der beiden anwesenden Ärzte aufgerufen zu werden. Ich musste mich zunächst anmelden und bereits im Vorfeld meinen Arztbesuch bezahlen. Nach geduldigem Warten wurde ich dann aufgerufen. Die Ärztin interessierte sich allerdings mehr dafür, wie mir Tansania gefällt und wie lange ich bleiben würde, als für meinen Hautausschlag. Sie schaute sich meine Arme dann aus der Ferne an und fragte schlussendlich, ob ich Angst vor Spritzen hätte. Ohne zu überlegen verneinte ich und zack, da wurde ich auch schon in das nächste Zimmer geschickt. Mit zwei Gummihandschuhen wurde meine Hand abgebunden und auf die Frage, was mir denn nun eigentlich gespritzt würde, bekam ich die Antwort "Injection" 😅 aahjaaa... (Ich weiß es übrigens bis heute nicht, was es tatsächlich war...) Die Schwester zog die Spritze mit einer riesigen Nadel auf und spritzte die Flüssigkeit im Schneckentempo in meine Hand. Anschließend gab sie mir ein in Alkohol getränktes Wattebäuschchen zum Desinfizieren. Meine Hand tat danach den ganzen Tag mehr weh, als mein Ausschlag gejuckt hatte 🙈 Ich zahlte dann noch für eine Creme und Tabletten (immerhin wusste ich, dass es Anti-Allergie Tabletten waren und somit nicht unbedingt schaden würden). Insgesamt hat der Arztbesuch umgerechnet nur knapp 7€ gekostet. Da man ja jedoch nicht weiß, wie viel da eventuell in den nächsten 2 Monaten noch dazu kommt (hoffentlich nichts), wollte ich mir für meine Auslandskrankenversicherung gerne alles quittieren lassen - nun ja, das war vielleicht nicht die beste Idee, denn einen Zettel mit meinem Namen, der Diagnose und der Behandlung zu schreiben, hat mehr Zeit in Anspruch genommen, als das Warten, der Arztbesuch und die Spritze zusammen 😅 Wider meiner Erwartung ging der Ausschlag aber zum Abend hin zurück - ganz weg ist er aber leider auch jetzt noch nicht... Da ich die Fotos beim Arzt heimlich aufgenommen habe, sind sie leider verwackelt...






Am Mittwoch haben wir die Schulsekretärin "Olivar" zum Wochenmarkt begleitet. Sie hatte uns bereits mehrfach gefragt, ob wir nicht mal mitkommen wollten. Leider entpuppte sich der Marktbesuch als nicht wirklich tolles Erlebnis. Olivar stellte uns quasi mitten im Getümmel ab und sagte, dass wir sie nun nicht weiter begleiten könnten, da sie dann höhere Preise an den Ständen zahlen müsse, da sie in Begleitung von "reichen Weißen" sei. Das hatte sie uns im Vorfeld natürlich nicht gesagt... Wir standen also mitten auf dem Markt, wurden von jedem angestarrt und natürlich tausend Mal aufgefordert, etwas zu kaufen. Hinzu kamen zwei junge Männer, die die ganze Zeit mit finsterem Blick um uns herum schlichen und uns regelrecht auf Schritt und Tritt verfolgten. Da wir bereits im Vorfeld vor Taschendieben gewarnt wurden, hatten wir unsere Taschen ganz fest in der Hand und fühlten uns trotzdem unwohl, so dass wir uns auf den Weg zurück zum Auto und unserem Fahrer machten und dort dann noch über eine Stunde auf Olivar warteten... Trotz allem war auch dieser Markt auf jeden Fall seinen Besuch wert, da es mal wieder eine ganz andere Welt war und wir wieder neue Eindrücke sammeln konnten. Nochmal brauchen wir so einen Marktbesuch allerdings nicht...





Bei den Hausbesuchen sind wir diese Woche wieder auf sehr arme Familien getroffen. Bei dem ersten Besuch liefen die Hühner frei im Haus herum und die Mutter kam gerade von der Feldarbeit. Nach ein paar Minuten sind wir auch schon wieder gefahren, da die Sozialarbeiter sie nicht von der Arbeit abhalten wollten, da jede einzelne Saat wichtig fürs Überleben ist.
Beim zweiten Hausbesuch trafen wir auf ein Flora, ein dreijähriges Mädchen in zerrissener Kleidung, das so eine unendliche Traurigkeit in ihren Augen hatte. Wir gaben ihr einen Lolli und da huschte dann doch ein kleines Lächeln über ihr Gesicht.




Die "Toilette"...


"Flora"


Wenn man dann zurück zum Happy Watoto Heim kommt und das Strahlen der Kinder sieht, wird einem umso mehr bewusst, wie toll dieses Projekt ist und warum sich die Kinder so wohl fühlen, obwohl sie nicht bei ihren Familien leben.




Übrigens eines der Zwillingsmädchen, das am Anfang nur geweint hat.







Nach den Hausbesuchen sind wir dann noch zu einer weiterführenden Schule gefahren und haben ehemaligen Schülern aus Ngorika die Trainingsleibchen von Arminia und ein paar Schuhe vorbeigebracht.


Bis dahin erstmal,
Jacky